Die IBA wollte entdeckt werden

Mit der iba ist eigentlich die erste Internationale Bauausstellung in der Geschichte der Hansestadt Hamburg gemeint. Für mich bedeutet iba einfach nur

ich bin auswärts

denn südlich der Elbe ist eigentlich nicht gerade mein bevorzugtes Ausflugsgebiet. Wieso, weshalb und warum kann ich gar nicht genau sagen. Aber: ich fühle mich dort einfach nicht „zu Hause“ und meine innere Stimme jubiliert immer, wenn sie mich und meine Ideen, doch dorthin zu fahren, besiegen kann. 

Dennoch habe ich mich heute aber auf den Weg gemacht und bin mit der S3 bis zum Bahnhof Wilhelmsburg gefahren. Eigentlich hätte ich ja erwartet, dass eine „internationale“ Ausstellung ein wenig prominent beworben wird, aber scheinbar sind nur „Insider“ erwünscht. Und doch habe ich irgendwo ein blaues Hinweisschild zur iba entdeckt und bin dem dann mal nachgegangen und habe dieses bunte Haus hier entdeckt, das zukünftig die Behörde für Stadtentwicklung beheimaten wird. Noch wird fleißig gebaut und gehämmert. Wie irgendwie überall.


Dieses Gebäude hatte ich schon in irgendeinem Fernsehbericht gesehen und daraus geschlossen, dass ich hier wohl richtig bin. Und dann bin ich einfach losgelaufen. Hinweisschilder habe ich keine gesehen, aber Häuser, an denen noch fleißig gewerkelt wird, also dachte ich mir, hier wohl richtig zu sein. Und dann habe ich auch tatsächlich durch Zufall zwei Gebäude entdeckt, die ich ebenfalls aus einem TV-Bericht schon kannte:

 

Das so genannten „Algenhaus“, das durch Photosynthese beheizt wird. Wie das geht? Nun, ich zitiere mal von der offiziellen Homepage der iba:

Das fünfgeschossige Algenhaus feierte heute Weltpremiere: BIQ ist weltweit das erste Gebäude mit einer Bioreaktorfassade als Teil eines ganzheitlich regenerativen Energiekonzepts. In Glaselementen werden Mikroalgen gezüchtet, die durch Photosynthese und Solarthermie Biomasse und Wärme produzieren. Die Wärme steht dem Haus als Heizenergie durch Wärmetauscher direkt zur Verfügung, Biomasse wird an anderer Stelle energetisch verwertet.

Gleich daneben befindet sich das Wälder Haus 


Auch hier zitiere ich von der Homepage:

2012 entsteht in Wilhelmsburg mit dem Wälderhaus ein multifunktionales Ausstellungs-, Schulungs- und Beherbergungsgebäude. Das Wälderhaus ist ein Exzellenzprojekt der Internationalen Bauausstellung IBA Hamburg. Das fünfgeschossige Haus liegt im Herzen des Quartiers Wilhelmsburg Mitte – am Haupteingang des zukünftigen Wilhelmsburger Inselparks. Die oberen drei Geschosse des Gebäudes werden vollständig – auch in ihren tragenden Bauteilen – in Massivholzbauweise erstellt. Die gesamte Fassade des fünfgeschossigen Gebäudes ist mit Lärchenholz verkleidet.

Man kann heute bereits das Gebäude betreten, in dem sich unten ein Café und ein kleines Ausstellungszentrum befindet mit jeder Menge Informationsmaterial für Interessierte sowie Mikroskope zum Benutzen.


Na, das war doch schon mal ein guter Anfang, dachte ich mir und machte mich auf den Weg, weitere interessante Gebäude zu entdecken. Ahnungslos. Orientierungslos. Also habe ich meine iba-App gestartet, die ich mir zuvor bereits aufs iPhone geladen habe. Blauäugig wie ich bin (ok, grau-blau, sind meine Augen) dachte ich mir, per Augmented Reality würde mir gezeigt werden, wo ich hinzugehen hätte, aber nein! Das Einzige, was ich herausgefunden habe war, dass es am Inselpark ein „iba Informationszentrum“ gibt. 

Okay, auch schon mal gut, aber wo ist der Inselpark? Also irrte ich weiter umher, bis ich eine Frau traf, die mir netterweise den Weg zum Informationszentrum nannte. Allerdings war dies, wie sich herausstellte, als ich dort ankam, das Informationszentrum der IGS, der Internationalen Garten Schau, die in 3 Wochen ihre Pforten öffnet. Naja, ich kann da ja mal nachfragen, dachte ich mir, aber: die Tür war verschlossen, weil dort drin eine „geschlossene Gesellschaft“ irgendeine Veranstaltung hatte.

Dann eben nicht, dachte ich mir und machte mich auf den Rückweg zur S-Bahn. Meine innere Stimme, die zuvor von Wilhelmsburg schon nicht begeistert war, jubilierte ob ihrer Bestätigung.

Die Rettung naht.


Plötzlich und unerwartet lächelte mich gegenüber vom Eingang der S-Bahn-Station Wilhelmsburg eine junge Frau mit blauer Dauenweste (blau = iba-Farbe) an und fragte mich, ob sie mir helfen könne, ich sähe so suchend aus. Genau die Worte, die ich immer nutze, wenn ich durch die Hafencity oder die Stadt bummel und auf Touristen zugehe.

Klar, kann sie helfen. „wo ist denn hier der Inselpark mit dem Informationszentrum zur iba?“ fragte ich sie und sie war voll in ihrem Element. Sagte, sie könne mir den „Energieberg“ und den Energiebunker empfehlen und nannte mir sogar den besten Weg dorthin. Und: ich könne ja weitere Informationen und eine Übersichtskarte aus dem Informationszentrum der iba holen. Grrrr, genau dort wollte ich doch hin! Und wo ist das nun?

Ähm, ja. Das Informationszentrum, der so genannte „Info Point iba“ hat perfekt den Namen umgesetzt, sozusagen nomen est omen; denn dieses hier ist der Eingang zum 

iba – Info-Point



 


Wenn man sich dann aber doch durch die Baustelle in die Räumlichkeiten des Info Points bewegt hat, dann findet man dort jede Menge Informationsmaterial und ein Modell von Wilhelmsburg in der Zukunft.


Naja, ganz nett. Aber weil die junge Frau mir ja den Energieberg schmackhaft geredet hat „man hat von einer Aussichtsplattform in 40 m Höhe einen phantastischen Blick über Hamburg“ dachte ich mir, da kann ich ja mal hin und nahm also wie von ihr empfohlen den 154er Bus vom S-Bahnhof Wilhelmsburg bis zur Station Fiskalische Straße (werden dort so viele Steuern gezahlt? Von der Gegend her kaum vorstellbar). Dort bräuchte ich nur reinzugehen und käme automatisch zum Energieberg. So sagte sie mir.


Auch hier musste meine innere Stimme nicht mit mir kämpfen. Wir waren uns einig. Es ist und bleibt einfach nicht meine Gegend. Ich bin dann also dort ausgestiegen und habe mich auf den Weg zum Energieberg gemacht.


Den Energieberg kannte ich bislang nur von der Autobahn aus. Wenn man nämlich von der Innenstadt auf die Autobahn Richtung Süden fährt, kommt auf der rechten Seite der – unter diesem Namen ist er mir bekannt – Müllberg Georgswerder.


Bevor es mit den schönen Bildern weiter geht, zuvor noch ein paar harte Fakten und Informationen. In der Tat handelt es sich bei dem Energieberg um den ehemaligen Giftmüllberg Georgswerder, auf dem zwischen 1948 und 1979 zunächst Trümmerschutt, dann Haus- und Sperrmüll abgelagert wurde. Zusätzlich wurden in den Jahren 1967 bis 1974 auch noch rund 200.000 Tonnen Sonderabfälle in Flüssigbecken und Fasslagern deponiert. 1983 wies man dann am Fuß des Müllbergs das extrem giftige Seveso-Dioxin nach und somit war die Entscheidung gefallen: der Müllberg ist nicht sicher und muss saniert werden. Was dann auch gemacht wurde (ich hoffe doch, nachhaltig sicher! Gerochen habe ich jedenfalls nichts).

Nun ragt der Deponiehügel 40 m aus der Landschaft der Elbinsel auf und ist damit ein idealer Standort für Windenergie. 1992 wurde hier die erste Anlage errichtet und bis zum Jahr 2004 folgten drei weitere. Und das sind dann auch die, die uns so gut von der nahen Autobahn her bekannt sind. Nun aber genug Geschwafel, jetzt wird es schön.


Hamburg, meine Perle


Was ich dann sah, das hat mich für alles Vorherige entschädigt. Ich habe also den Berg erklommen. Unzählige Stufen hinauf zur Schönheit.


Oben auf dem Berg ist ein Rundgang auf einer Stelzenkonstruktion, den man entlang geht und aus dem Staunen nicht wieder hinaus kommt; denn Hamburg zeigte sich heute bei strahlendem Sonnenschein in seiner ganzen Pracht.


Wie Ihr ja wisst, fotografiere ich nur mit dem iPhone 4S, allerdings kommt es bei Zoom-Aufnahmen doch an seine Grenzen.


Die Windräder passen einfach gut ins Bild finde ich. Ich schaue immer sehr gern nach oben. Irgendwie hat es auf mich etwas Beruhigendes.


Dass Hamburg nicht nur ein reiner Standort für Dienstleister ist, zeigt der Blick auf die Industrieanlagen, die man ebenfalls sieht, wenn man auf der A1 nach Hamburg reinfährt

Nee, nee, da schaue ich lieber nach links und schaue mir das Panorama Hamburgs an. Mit dem Hafen. Mit dem Highfly-Fesselballon. Sogar mit der Elbphilharmonie.


Meine Entdeckungstour habe ich dann mit einem Besuch im Info-Center des Energiebergs beendet. Dort gibt es ein Modell des Energiebergs zu besichtigen, das auch von kompetenten Mitarbeitern in allen Einzelheiten erklärt wird.

Der Energieberg ist täglich zwischen 10:00 – 18:00 Uhr zu besichtigen und, jetzt kommt’s, jeden 1. Sonnabend im Monat bis 22:00 Uhr. Um 19:00 Uhr werden die LED Lämpchen rund um den Ausstellungsweg eingeschaltet und so wird er abends schön beleuchtet. Auch abends ist er damit (zumindest am 1. Sonnabend eines Monats) einen Besuch wert.

Und so sage ich – dank dieser wunderschönen Aussicht auf Hamburg – Tschüß, iba. Was auch immer du mir zeigen wolltest, mich hast du nicht erreicht.




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