Il giardino romano ad Amburgo

Nun, also wenn wir schon einmal einen Römischen Garten in Hamburg haben, dann muss er auch entsprechend angekündigt werden. Daher der italienische Titel.

In diesem Falle bin ich meinen Eltern dankbar, dass sie immer noch treue Abonnenten des Hamburger Abendblatts sind; denn dort gab es vor kurzer Zeit eine Serie „365 Plätze in Hamburg, die man gesehen haben muss“ (oder so ähnlich). Jedenfalls haben sie die jeweiligen Seiten aufbewahrt und mir mitgegeben und bei dem Schietwetter der letzten Tage konnte ich die Tipps mal durchgehen und ich habe jede Menge gelesen, das mir völlig neu und unbekannt war.

So auch der Römische Garten.

Unbekannte Gegenden – vor allem im Westen Hamburgs, der durch eine Vielzahl von Einbahnstraßen und immer enger werdenden Straßen geprägt ist – erkunde ich gern mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Bei den meisten Tipps, die im Abendblatt aufgeführt waren, stand netterweise auch dabei, wie man den Ort mit Bus und Bahn erreicht und insofern war es ein Leichtes. An der S-Bahn Blankenese bin ich in den Minibus der Linie 48 gewechselt.


Minibus? Ja, in der Tat. Erst fragte ich mich „wächst der noch?“, weil das echt ein geschrumpfter Bus ist. Er hat ca. 20 Sitzplätze (wenn überhaupt) und ist entsprechend kürzer geraten.

Aber das ist aus gut so und während der Fahrt wurde mir klar, warum es ein Minibus ist. Es ging durch die engsten und steilsten Straßen und Gassen, vorbei an dem malerischen Treppenviertel Blankeneses bis zur Bushaltestelle Falkentaler Weg. Diese Haltestelle hat mich dann erst einmal umgehauen. Steht man dort doch direkt am Blankeneser Strand, direkt beim Leuchtturm. Am liebsten hätte ich mich in den Sand gelegt und einfach den Tag am Strand verbracht. Aber nein, ich hatte ja was vor.


So, aber genug vom Strand, mein Ziel war ja der Römische Garten. Das erste (und einzige) Hinweisschild kam nach ca. 300 Metern. Mir wurde schon etwas wärmer, denn ich musste eine ziemliche Steigung bergauf gehen (wie ich hinterher feststellte, war dies der berühmte Waseberg, der ja bei den Cyclassics immer so heftig ist), aber das Hinweisschild war umso deutlicher.


Vor allem auch umso deutlicher im Sinne, dass es stets bergauf geht. Nur gut, dass meine Knie derzeitig nicht rumzicken und ich also wie eine Bergziege die ganzen Treppen rauflaufen konnte – und wieder runter.


Aber als ich mich dann dem Garten näherte, wurde ich für jede einzelne Stufe belohnt. Schaut Euch diesen Ausblick an. Weit und breit kein Mensch zu sehen, nur du und der Wald und der Blick auf die Elbe. Einfach nur traumhaft.


Bei dem – aus meiner Sicht – Highlight des Gartens, nämlich dem Amphitheater habe ich ein wenig inne gehalten und mir vorgestellt, ich sitze da und schaue mir ein Schauspiel an. So Rondo Veneziano mäßig. Oder zumindest irgendwie aus der Rokoko-Zeit.


Ach ja, Hamburg ist einfach schön! Da dort nun aber keine weiteren Hinweisschilder sind, war mir nicht klar, ob noch irgendwas kommt und so allein durch das Unterholz zu streifen ohne zu wissen, wo ich wieder rauskomme, das ist dann doch nicht so ganz mein Fall. Also habe ich mich wieder auf den Rückweg gemacht. Diesmal die Treppen runter.


Als ich dann da so wieder runter zum Bus gegangen bin, kam ich an einem Hinweisschild „Bismarckstein“ vorbei. 

Moment! Davon stand auch was im Abendblatt, den Ort hatte ich mir auch notiert … aber leider nicht, was damit gemeint ist. Dumm gelaufen; denn jetzt wusste ich nicht, wonach ich Ausschau halten soll. Nach einem Stein? Da liegen jede Menge rum. Nach einem Denkmal für Bismarck? Nun denn, muss ja zu finden sein. Leider war aber diese eine Hinweisschild an der Straße das einzige, das auf den Bismarckstein hinwies. Also bin ich vergebens den Berg hochgekraxelt bis zu einer Wegzweigung ohne weiterführendes Hinweisschild. Naja, bin ich halt die Treppen zur Elbe wieder runter gegangen. Sport für die Knie tut ja auch gut. Unten am Strand habe ich dann ein kleines Päuschen gemacht und den Schiffen zugeschaut.


Tja …. und nun? Ab nach Finkenwerder, ein wenig durchs Dorf laufen. Was aber zunächst bedeutet hat, an den Landungsbrücken die Fähre 62 nach Finkenwerder zu nehmen. Was sehr schön war, denn ein oder zwei Schulklassen hatten einen Ausflug gemacht und so war die Fahrt nach Finkenwerder durch schöne Dialoge geprägt. Ein Beispiel: wir tuckerten da so die Elbe entlang und kamen am Fischereihafen vorbei, wo noch die Arche Noah festgemacht hat, die ja zum Kirchentag erstmalig hier angelegt hat. Lehrerin sagt: schaut mal, hier liegt die Arche Noah. Mädchen 1 daraufhin: „ist das die echte?“ und Mädchen 2 antwortet „nee, die ist nachgebaut, die andere ist wohl kaputt gegangen“. Mädchen 1 daraufhin: „und was ist mit den Tieren?“. Den Rest bekam ich leider nicht mit weil ein laut sächselndes Paar an Deck erschien.

In Finkenwerder habe ich dann einen Mini-Rundgang (man könnte es auch Stechschritt Hauptstraße rauf und runter nennen) gemacht, schließlich war ich dort auch zuletzt vor gefühlt 1000 Jahren. Ein, zwei Fotos von Gebäuden, ein bis zwei Fotos vom Deich bzw. kleinem Hafen, das muss reichen.


Und wieder zurück zum Fähranlieger. Bei der Ankunft habe ich gesehen, dass dort auch die Fähre 64 nach Teufelsbrück hält. Da kann ich die ja gut zurücknehmen. An Teufelsbrück erinnert Ihr Euch sicherlich, oder? Das war der Ausgangspunkt meiner Mammut-Wanderung soweit die Füße tragen.

Also, ab auf die Fähre und sich dem Fernweh hingeben


Diesmal war es eindeutig zu warm, um den Fußmarsch von neulich zu wiederholen. Aber zwischenzeitlich war mir eingefallen, dass doch von der neuen Buslinie 111 berichtet wurde, die ab S-Bahn Altona bis in die Hafencity fährt und dabei so gut wie jede Sehenswürdigkeit auf der Strecke mitnimmt.

Von Teufelsbrück aus bin ich dann also mit dem Bus – der wieder eine normale Größe hatte – bis zur S-Bahn Othmarschen gefahren und habe freudig zur Kenntnis genommen, dass es noch Holzdächer gibt, die die Bahnsteige überdachen. Nicht nur dieses Einheitsbeton.


In Altona angekommen habe ich dann auch problemlos die 111er Linie gefunden, bin eingestiegen und siehe da. Die Linie fährt vorbei am Altonaer Rathaus, runter zur Elbe, Docklands, Cruise Center, Neumühlen, Große Elbstraße, Pinnasberg rauf zur Reeperbahn, Davidstraße, Landungsbrücken, Baumwall, Kehrwieder, Sandtorkai, Magellan-Terrassen bis zur Shanghaiallee. Wunderbare Rundtour, die ich nur jedem Touristen empfehlen kann.


Und an den Magellan-Terrassen habe ich den Tag ausklingen lassen. Ich habe mir einen Salat geholt, mir „meine“ Bank auf den Magellan-Terrassen gesucht, den Kindle ausgepackt und abwechselnd gegessen, gesonnt, gelesen, geschwärmt, gesonnt und nochmals gesonnt. Und dann sind mir die Sonnenstühle auf dem Überseeboulevard eingefallen – neulich im strömenden Regen hatte ich ja noch gesagt, dass ich dort eines Tages sitzen würde. Heute war es soweit.


Und zum krönenden Abschluss habe ich mich auf die Sonnenterrasse des Langnese Cafés im Unilever-Haus gesetzt mit Blick auf die MS Deutschland, die dort am Cruise Center gerade festgemacht hat.


Und mit einem letzten Blick in diesen traumhaft blauen Himmel verabschiede ich mich für heute.


Take a ride – enjoy it. 


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2 Gedanken zu „Il giardino romano ad Amburgo

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