#lsr – Medienvielfalt adé

So. Da haben wir es nun. Das Leistungsschutzrecht für Presseverlage, kurz lsr. Und nun? Die vehementesten Verfechter dieses Gesetzes (und Profiteure), allen voran die Axel Springer AG und der Burda Verlag werden es „vorübergehend“ nicht zur Anwendung kommen lassen, indem sie nämlich weiterhin (oder zumindest für einen unbestimmten Zeitraum) Google News gestatten, auf deren Inhalte zurück zu greifen.

Und dennoch: die Auswirkungen zeigen sich ab heute; denn wer nicht selbst ein Großkonzern mit entsprechend gut ausgestatteter Rechtsabteilung im Rücken, ist, wird sich nach dem Gesetz richten und damit die 

Medienvielfalt einschränken


Und mit diesem Beitrag wende ich mich ausdrücklich an meine vielen Leser, die sonst nicht soviel „mit diesem Internet“ zu tun haben und an denen auch die Diskussionen um das Leistungsschutzrecht vorbei gegangen sind bzw. es für sie nicht relevant gehalten haben.

Rivva beispielsweise hat über 650 Quellen ausgelistet, aus Unsicherheit, ob auf sie weiterhin verlinkt werden darf. Rivva als Newsaggregator hat mir persönlich die Vielfalt geliefert, die ich so am Internet schätze. Und schwupps, dank des #lsr wird diese eingeschränkt.

Seit meinem Bericht „Paper.li – warum nicht?“ wisst Ihr, dass ich ja selbst eine „Kurzundknapp Zeitung“ via Paper.li veröffentliche und ich sie sehr gern lese und auch einige abonniert habe.

Aber per heute hat auch dies ein Ende. 

Ich habe meine Paper.li gelöscht!

Ich kann mir nämlich schon die Heerschar an Abmahnanwälten bildlich vorstellen wie sie in ihren Büros sitzen, die Hufe scharren und das Netz durchsuchen nach normalen Menschen wie ich es bin, die die Medienvielfalt lieben und nutzen und jetzt eine Abmahnung erhalten, weil man durch die Paper.li wie ein Newsaggretar fungiert und Textausschnitte von Presseerzeugnissen veröffentlicht.

Den Präzedenzfall können gern andere spielen – ich nicht!

Wie verhalte ich mich jetzt also? 

Zunächst einmal fühle ich mich in meiner Freiheit total eingeschränkt! Ich werde kein Presseerzeugnis mehr verlinken. Und wenn doch, dann nur mittels des URL-Shorteners der D64. Mein Verhalten ändert sich dadurch kolossal. Habe ich heute einen interessanten Artikel gelesen und ihn verlinken wollen, so hat das per heute ein Ende und da ich mir vorstellen könnte, dass es viele andere Privatmenschen wie mich gibt, die sich ähnlich verhalten, wird es automatisch zu weniger Verlinkungen kommen und dadurch nimmt die Vielfalt ab.

Ob diese Haltung von mir übertrieben ist, weiß ich nicht. 

Den einzigen Dienst, den ich weiterhin bedenkenlos einsetzen und nutze werde, ist keeeb; denn keeeb schützt seine Nutzer vor dem LSR:

Surft ein Nutzer auf eine öffentliche Keeeb-Seite, auf der Inhalte von LSR-relevanten Verlagshäusern zu finden sind, bekommen die Besucher einen entsprechenden Hinweis, der Content in dem entsprechenden Keeebie wird nicht angezeigt. Stattdessen wird lediglich ein Link zum Ursprungsort des geteilten Contents angezeigt. Dadurch wird der Content nicht von Keeeb aggregiert und die Nutzer können nicht abgemahnt werden.

Quelle: Social Secrets

Die großen Verlagshäuser haben also ihr Ziel erreicht: die Kleinen und die Aggregatoren verschwinden vom Markt und die Vielfalt ist nicht nur eingeschränkt, sondern sie ist vorbei. Aus. Vorüber.



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5 Gedanken zu „#lsr – Medienvielfalt adé

  1. Sebastian

    Springer & Co. hatten die irre Annahme, dass Google sie für ihren „Content“ bezahlen würde. Content, den es auch auf tausenden „freien“ Newsseiten im Internet kostenlos gibt. Statt dessen – so hoffe ich – wird Google sie bei der ersten Forderung vollständig aus dem Index entfernen und wenn sie merken, dass sie mit diesem Gefälligkeitsgesetz Selbstmord begangen haben, ist es zu spät. Allerdings fügt sich dieses Gesetz nahtlos in die ohnehin sehr dürftige (um nicht zu sagen „stümperhafte“) Onlinepräsenz fast aller Printverlage.

    Antwort
  2. kurzundknapp

    Da bin ich mit dir voll einer Meinung. Wäre ich Google würde ich sie alle rausschmeißen und sie sich damit selbst ins Knie schießen lassen. Und es stimmt, es gibt aus meiner Sicht nur wenige Verlage, die einen wirklich guten Online-Auftritt haben. Rhein-Zeitung zum Beispiel. Die finde ich sehr gut und die hätte ich ohne Rivva, Twitter & Co nicht kennen gelernt.

    Antwort

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