Am Anfang war’s nur eine Idee

Mit diesem Beitrag möchte ich heute Aufmerksamkeit schaffen und auf eine Gemeinschaft hinweisen, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Menschen mit besonderem Hilfebedarf wieder in die Gesellschaft einzugliedern.

 

„ auf ´m Hof “ Sozialtherapeutische Gemeinschaft e.V.

 „auf’m Hof“ ist eine Einrichtung der Eingliederungshilfe auf der Basis einer anthroposophisch orientieren Lebens- und Arbeitsgemeinschaft. Für 18 Menschen mit besonderem Hilfebedarf, d.h. für geistig und psychisch erkrankte oder gefährdete Menschen, die sich nicht mehr oder noch nicht wieder in die heutigen Lebensverhältnisse eingliedern können, wird ein Platz angeboten.

Die Mitarbeiter des Hofes bilden mit den Bewohnern und Bewohnerinnen zusammen eine Lebens- und Arbeitsgemeinschaft, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Hof als Lebens- und Arbeitsort eben für diese Menschen mit besonderem Hilfebedarf zu betreiben.

Durch das nahe Zusammenleben in der Gemeinschaft entsteht ein soziales Übungsfeld, in dem gegenseitige Hilfeleistung erlebbar werden kann, aber zugleich hat jeder Einzelne seine eigene „Hülle“, in deren Schutz er nach den eigenen Möglichkeiten leben und arbeiten kann.

Zusätzlich zur Mitarbeit in das sich Gewöhnens an alle Bereiche des Zusammenlebens bieten Arbeitsplätze eine feste Tagesstruktur. Die Arbeitsplätze befinden sich in der Hauswirtschaft, im Gemüsegarten, in der Holzwerkstatt, in der Kerzenwerkstatt und im eigenen Café mit Weinstube und Weberei. Je nach eigenen Möglichkeiten stellen diese Arbeitsplätze entweder eine bleibende Lebensaufgabe dar oder dienen sogar der Berufsvorbereitung oder einem Schulbesuch und einer Lehrstelle außerhalb des Hofes.

Dieses arbeits- und beschäftigungstherapeutische Programm wird durch künstlerische Therapien, Sozial-, Verhaltens- und Gesprächstherapien sowie durch Kultur- und Bildungsangebote ergänzt. Selbstverständlich findet auch eine laufende fachärztliche und medikamentöse Behandlung statt.

Warum schreibe ich das jetzt? Weil natürlich wie so viele andere privat organisierten Initiativen auch „auf’m Hof“ auf Unterstützung angewiesen ist. So stehen zurzeit größere Projekte an; denn die Orkanstürme aus dem Herbst und Dezember letzten Jahres haben die großen Foliengewächshäuser arg in Mitleidenschaft gezogen und auch die Hauswirtschaft soll vergrößert und neu ausgestattet werden. Ebenso muss dringend die Küche vergrößert und professioneller ausgestattet werden.

Viele Initiativen entstehen auf bereits gegründeten Fundamenten. Nicht so die von „auf’m Hof“ und das ist für mich ein Grund mehr, diese Initiative gesondert vorzustellen. Manch andere Menschen hätten irgendwann aufgegeben. Nicht so Herr Ehrmann. Aber lest selbst …

Vor nunmehr 16 Jahren fanden eine junge Kollegin und ich den völlig verwahrlosten Hof in Belm – Wellingen, überzeugten den Eigentümer uns den Hof zunächst pachtfrei zu überlassen. Wir hatten ein Abenteuer begonnen, dessen Erfolg und Ende uns

niemand voraussagen konnte. Nur wir selbst waren fest davon überzeugt etwas „bewegen“ zu können. Und, wir konnten es in der Tat. So manches Mal waren wir schier verzweifelt über den Umgang der Behörden mit uns und unserem Vorhaben. Es ging dabei nicht um finanzielle  Mittel, sondern lediglich um eine Art von Duldung.

Wir fingen an ein, dann zwei  und schließlich sechs Räume für zu betreuende Menschen zu bauen.

Baustoffe kauften wir von unserem Arbeitslosengeld und hin und wieder erhielten wir von den weit verstreuten Verwandten und Freunden Lebensmittel und Getränke. Das war auch sehr nötig, da so maches Mal der Hunger an uns nagte.

Die ersten Bewohner waren ein sehr krankes und auf der Strasse lebendes junges Mädchen und ein junger Mann, der wegen vielfachen Diebstahls (kleinere Vergehen) von keiner Einrichtung sonst aufgenommen wurde. Somit war uns deutlich klar geworden, wohin die helfende „Reise“ unserer nunmehr kleinen Gemeinschft gehen würde.

Mit Hilfe der zwei jungen Bewohner bauten wir nun keine Räume mehr, sondern gemütliche und heimelig warme Zimmer.

Das „Abenteuer“ war in der Realität angekommen. Wir allerdings auch!

Wir hatten Geldsorgen und nur mit größter Mühe und Überredungskünsten erhielten wir in der Weihnachtszeit 1998 die „Betriebsgenehmigung“. Es war übrigens eine „abenteuerliche amtliche Seele“, die uns schließlich die Zulassung für das Betreiben unserer Einrichtung verschaffte.

Dieses Weihnachtsgeschenk war wiederum  der Beginn einer Reise, nämlich der einer Geschenkreise. Es hatte sich bei den Behörden herumgesprochen, dass es in Belm, hinter dem Berg, einen Hof gibt, der  junge Menschen, ohne erkennbare Hoffnung auf Zukunft, aufnimmt und betreut. Wir handelten mit den Behörden Pflegesätze aus und konnten erstmalig so etwas wie eine Wirtschaftsplanung angehen.

Mit den neuen BewohnerInnen wuchs unsere kleine Gemeinschaft auf sechs und schließlich auf neun Gemeinschafter an.

Wir mussten weitere Zimmer bauen und benötigten dringend KollegInnen. Ein Tischlermeister stieß zu uns, ein Gärtnermeister, eine Hauswirtschaftsmeisterin und eine FSJ lerIn.

 

Mit der Vergrößerung des Kollegiums kamen wieder große finanzielle Sorgen auf uns zu. Wir waren nahe daran, aufzugeben.

Aber die oben erwähnte „Geschenkreise“ sollte noch nicht zu Ende sein. 20.000 ,- DM „spülte“ uns das Schicksal in Gestalt eines uns damals noch unbekannten Mannes zu. Ohne Zinsen zahlen zu müssen und ohne Rückzahlungsfrist verwendeten wir diesen Betrag für die Weiterentwicklung der Gemeinschaft, die inzwischen auf 16 Bewohner und sieben Mitarbeiter angewachsen war.

Damals entwickelten wir unter dem Eindruck der großzügigen Geschenke unser Leitbild neu.

Wir wollten den uns zugegangenen Spenden bzw. den dahinter stehenden Spendern einen besonders dankbaren und ehrenden Wert unserer Gemeinschaft geben. So gewannen wir  Freunde, auch jenseits des Spendens, jenseits des Geldwertes.

Also, waren und wurden unsere Spender niemals irgendwelche anonymen Personen, sondern stets Menschen, die bei uns vor Ort in die Gesichter derjenigen schauen konnten, denen die Werte zugute kommen.

Ich würde mich freuen, wenn die Sozialtherapeutische Gemeinschaft „auf’m Hof“ durch diesen kleinen Beitrag neue Unterstützung erführe.

Details können auf deren Homepage auf’m Hof entnommen werden.

 


 

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